Neu: Fly Buddha, fly

Ist es denkbar, Buddha als Protagonisten einer Werbekampagne einzusetzen? Noch dazu, wenn es sich dabei um eine Fluglinie kurz vor dem Konkurs handelt? Darüber diskutiert Mitte der 1980er Jahre die Stewardess Nadja Berger mit Cliff Taylor, dem Chef einer Werbeagentur in Los Angeles. Sein Kreativteam soll der kränkelnden Airline neue Kunden im Asiengeschäft bescheren. 30 Jahre später, Buddha ist nie abgeflogen, begegnen sich die beiden in einem buddhistischen Tempel in Indien wieder. Zu einem Zeitpunkt, an dem Nadja vor den Scherben ihres Lebens steht. Ihre Ehe mit Jürgen, einem skrupellosen Investment-Banker, ist am Ende und ein Burnout lähmt ihr Leben. Während sie Heilung auf spirituellem Weg sucht, gerät ihr Mann immer tiefer in einen Sumpf aus Gier, kriminellen Machenschaften, Alkohol und Drogen. Aber ist ihr Weg wirklich der Richtige? In einem thailändischen Kloster-Retreat erfährt sie gemeinsam mit Cliff, dass bei allen religiösen Dogmen und Ritualen, Weissagungen und Versprechungen letztlich nur ein Weg zur wahren Erleuchtung führt – die nicht erlöschende Flamme in uns selbst. Verbunden mit der ewigen Kraft der Liebe …

Leseprobe

Schweigend schauten sie eine Weile aus dem Fenster in Richtung Strand, wo zwei Surfer auf weiß schäumenden Wellen ritten. Dann stiegen sie aus und liefen über den Parkplatz.  »Woher kennst du Stan?«, fragte Nadja, als sie sich an einem Milkshake-Pavillion anstellten. »Er ist ein paarmal mit uns geflogen. Und irgendwann hat er mich auf einen Drink eingeladen.«  »Und sie arbeiten an einer Werbekampagne für Pan Am?«
»Genau, das fand ich so spannend, dass ich sein Angebot angenommen habe, mir heute die ersten Entwürfe anzusehen.«
Das Haus von ›creapool taylor & bart‹ war ein stattliches Gebäude im karibischen Stil, eine Mischung aus indigener und afrikanischer Tradition mit europäischen Einflüssen. Nadja kannte diese Häuser aus Key West, und natürlich von den Inseln selbst, wo ein Crew-Kollege sie einmal über die Hintergründe dieses Baustils aufgeklärt hatte. 
»Sieht schon mal nach Kreativität aus«, sagte Nadja anerkennend grinsend, als sie davorstanden und Sarah nickte. »Ja, die arbeiten nicht nur für Pan Am, sondern auch für viele andere bekannte Unternehmen.«
Ihr erster Eindruck setzte sich fort, als sie die Holztreppen hinaufstiegen und das Haus betraten. Eine junge Frau in Jeans und Fransenhemd empfing sie, und führte sie in ein weitläufig offenes Büro, in dem an etlichen Tischen Männer und Frauen in T-Shirts und kurzen Hosen saßen, barfuß in Flipflops oder in Turnschuhen mit offenen Schnürbändern. Einige mit Kaffeebechern in der Hand, andere kauend zwischen den Tischen hin- und herlaufend. Inmitten bunter Bilder, Skizzen, 
Weiter hinten saßen, durch halbhohe Trennwände abgegrenzt, zwei Männer. Einer zurückgelehnt mit hinter dem Kopf verschränkten Händen, der andere lächelnd winkend. Während die beiden Frauen weitergingen, erhoben sie sich und kamen ihnen entgegen.
»Hey, willkommen in unserer bescheidenen Hütte«, rief der winkende Mann und umarmte Sarah. »Hey, Stan«, erwiderte diese seine Begrüßung und deutete auf ihre Freundin.
»Stan, das ist Nadja, Nadja, das ist Stan.«
»Stan Bart«, sagte er und streckte ihr die Hand entgegen. »Schön, dass Sie mitgekommen sind.« Der andere war stehengeblieben und trat nun einen Schritt nach vorne.
»Ich bin Cliff Taylor«, sagte er mit freundlichem Lächeln, was Sarah und Nadja erwiderten, indem sie auch ihm die Hand reichten.
Unter neugierigen Blicken der Mitarbeiter gingen sie den Weg, den sie gekommen waren, zurück. Sie betraten sie einen Besprechungsraum mit einem langen Tisch. Cliff öffnete Flaschen mit Saft und Cola.
»Bedient euch«, sagte er und alle setzten sich.
»Ich habe Sarah schon erklärt, woran wir arbeiten«, begann Stan. »Wir haben in wenigen Wochen die Präsentation für eine neue Pan Am Kampagne. Die Company will die Asienflüge damit … sagen wir … interessanter machen.«
Sein Blick wechselte zwischen den beiden Frauen und blieb dann für einige Sekunden bei Nadja. Ein Gefühl der Unsicherheit befiel sie, und da er offenbar etwas von ihr erwartete, antwortete sie.
»Sie schauen mich auffordernd an, Stan. Was soll ich sagen? Ich weiß ja noch nicht einmal genau, warum wir hier sind. Wir sind keine Werbeprofis.«
Beide Männer lachten.
»Aber klar«, das wissen wir. »Es geht uns um ein wenig Inspiration. Wir haben schon drei Kampagnenideen ausgearbeitet, mit denen wir euch auch gar nicht langweilen wollen. Bei einer sind wir hier in der Agentur allerdings in zwei Lager gespalten. Als ich Sarah kennenlernte, kam mir spontan der Gedanke, sie ihr zu zeigen. Jetzt gleich zwei Pan Am Stewardessen hier zu haben, die auch schon mal Asien geflogen sind, ist natürlich noch besser.«
»Und Sie meinen, wir könnten etwas Entscheidendes dazu beitragen?«, fragte Sarah, woraufhin Stan zu Cliff schaute.
»Nein, das sollen Sie auch nicht«, antwortete dieser. »Wir zeigen die Idee einer ganzen Reihe von Personen aus unterschiedlichen Zielgruppen. Das haben wir mit den anderen beiden Kampagnen auch schon getan.

Auszug "Fly Buddha, fly"

Wie verabredet, suchte Ando Saikan Nadja um 6:00 Uhr im Oriental Mandarin auf, um mit ihr im Hotelpark die vorgesehenen ›Zen Qi Gong‹ Übungen durchzuführen. Nach ihrem ersten Zusammentreffen mit Ando hatte Liang Sun ihr seinen jüngeren Bruder vorgestellt, der bereits mit vierzehn Jahren in ein buddhistisches Kloster als Schüler eines berühmten Großmeisters eingetreten war. Wo er ›Tai Chi‹ und ›Qi Gong‹ lernte, bevor er in unterschiedlichen Zen-Tempeln das Studium des Buddhismus mit dem Meistergrad abschloss.
Er war eine halbe Stunde früher gekommen, als sie es geplant hatten, um sich zunächst mit ihr auf eine Bank zu setzen, von wo aus sie die Hotelmitarbeiter beobachteten, die vor Sonnenaufgang den Park säuberten.
»Unbemerkt von den Gästen fegen und reinigen sie den Rasen und die Böden, damit alles, schon bevor diese aufwachen, wieder proper ist«, erklärte er. »Nachts halten Securities mit ihren Hunden Wache, um viele Verunreinigungen erst gar nicht entstehen zu lassen.«
Nach und nach kamen auch andere Personen in den Park, um dort ebenfalls im Sonnenaufgang ihre Übungen zu durchzuführen.
»Für die meisten Menschen in Asien gilt die Regel, in der morgendlichen ›Hightime‹ die Verantwortung für ihren innersten Raum zu übernehmen. So wie auch Sie von heute an mittels des Zen Qi Gong jeden Morgen pünktlich Ihre tägliche Arbeitshygiene herstellen werden.«
In der Nacht, so erklärte er weiter, träten im Schlaf Verunreinigungen auf, mit Emotionen und Träumen, die unsere Systeme belasten und damit den ›Present Moment‹, mit seiner so wichtigen Kreativität für den kommenden Tag, behindern würden. »Die tägliche morgendliche Anwendung hält uns frei von den großen Blockaden und macht uns nicht nur mental, sondern auch körperlich stabil.«
Dafür hatte der Zen Qi Gong Meister einen Plan aufgestellt, der die folgenden Schritte gewährleisten sollte:
– Neun Minuten kurzes aufrechtes Gehen
– Eine Minute Herstellung des Bewusstseinszustands
– Neun Minuten mit fünf Qi Gong Übungen
– Zwei Minuten freier Qi-Fluss
– Neun Minuten bewegungslos Lebensenergie einsammeln
Schon bei den ersten Übungen spürte Nadja etwas, was sie früher selbst Stunden nach Aufstehen, Jogging, Frühstück und zwei Tassen Kaffee nicht annähernd empfunden hatte: Das Auftanken einer Batterie, die für das mentale und emotionale Empfinden zuständig ist, indem sie ihr nicht nur eine ungewohnte Wachheit, sondern auch physische Stabilität verlieh.
Zwischenzeitlich war die Sonne aufgegangen und der Park hatte sich mit Menschen gefüllt, die zum Teil in weichen, fließend ineinander übergehenden Bewegungen so taten, als kämpften sie mit Tritten und Schlägen gegen einen imaginären Gegner.
»Sie üben Tai Chi«, sagte Ando Saikan, »eine andere große Philosophie des ganzheitlichen Bewegungstrainings, das den Körper gesund halten soll.«Unweit von ihnen hatte sich eine Gruppe von Senioren in der laut Ando Saikan traditionellen Tai-Chi Kleidung versammelt: weite Hemden und Hosen in Weiß, Schwarz, Rot, Gelb und Himmelblau. Mit behutsamen, synchronen Bewegungen wurden Arme gestreckt, Knie gebeugt, bunte Seidenfächer geschwenkt und imaginäre Schwerter gezückt.
»Das finden Sie in Singapur am frühen Morgen an vielen Orten, vorwiegend in den Parks. In der Pause gibt es mitgebrachten Tee«, sagte er. »Man kennt einander, lacht und unterhält sich leise. Auch Musik aus Ghetto-Blastern ist üblich.«
»Das … ist faszinierend.«»Ja. Tai Chi ist fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin, TCM. Durch gezielte Rituale zu Körperspannung und Atmung werden Körperbewusstsein, Haltung und Konzentration geschult.«»Was wird nach meinen Erfahrungen mit Qi Gong folgen?«, fragte Nadja.
»Das weiß ich nicht. Aber wie alles, was wir tun, ist es Teil eines Mosaiks, das sich immer erst nach und nach zusammensetzt. .«

Auszug "Fly Buddha, fly"

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